Anselm von Canterbury (1033/34–1109) wuchs in Aosta auf. Früh prägten ihn religiöse Eindrücke aus dem Elternhaus – insbesondere die Frömmigkeit seiner Mutter –, zugleich war seine Jugend von innerer Unruhe und der Suche nach Orientierung bestimmt. Nach Spannungen in der Familie und einer Phase des Umherreisens verließ er seine Heimat und gelangte in die Normandie. Dort trat er 1060 in das Benediktinerkloster Bec ein, dessen geistiges Klima ihn nachhaltig formte: Nicht nur Disziplin und Gebet, sondern auch das intensive Nachdenken über Gott gehörten zum klösterlichen Alltag. Unter dem Einfluss der Schule von Bec (u. a. Lanfranc) reifte Anselms Überzeugung, dass Glaube und Verstehen zusammengehören. Berühmt wurde seine Formel 
credo ut intelligam“ – er glaubt, um besser zu verstehen. Dieser Weg mündete in Schriften wie Monologion und Proslogion, die als „suchender Glaube“ gelesen werden können: Anselm versucht, das, woran er glaubt, mit Gründen zu durchdringen. Als Erzbischof von Canterbury (ab 1093) verband er spirituelle Ernsthaftigkeit mit kirchenpolitischem Mut, was ihn mehrfach ins Exil führte.

 

Lichtblicke der Erkenntnis

„Nimm dir ein wenig Zeit für Gott und ruhe ein wenig in ihm aus.“

„Geh in die Kammer deines Geistes, schließe alles aus außer Gott …“

„Überall bist du ganz gegenwärtig, und doch sehe ich dich nicht. In dir bewege ich mich und in dir bin ich, und doch kann ich nicht zu dir gelangen.“

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